In den Fußabdrücken des Moosdorfs Jungs.
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Andrejs Upits

Moosdorfs Jungs

„Glück ist hierselbst“

„Können wir das Moosdorf auch nicht einmal frei und rein machen?“

„Menschen leben, die ihr Glück bilden können – keine Schlange kann sie beißen, keine Hunde sie anbellen, keine Krähe sie fressen.“

  1. Trīsžuburu Ozols (Dreiverzweigungeiche) auf der Spitze des Hügels. Vom langen rumstehen sind seine Beine müde geworden, deshalb ist er stark schief geworden, aber es wird nicht so leicht ihn jetzt noch zu bewegen. Zwei der Wipfel sind abgestorben, aber dier dritte ist grün – mein Großvater hatte ihn schon so gesehen und wahrscheinlich wird auch die nächste Generation nach euch ihn so sehen. Alte Leute und alte Eichen haben ein so langes Leben, welches wir nicht erleben werden. Wenn man unter diesen alten Baum sich hinlegt, dann sieht man am Anfang nur wie die zackigen Blätter um den gewundenen, mit grauen Moos bewachsenen Ästen sich nieseln. Aber wenn man länger und genauer hinschaut, dann sind es keine Blätter mehr, aber grüne Zungen, die geschwätzig und eifrig sich gegenseitig über den vergangenen Tagen erzählen.

 

  1. Der große Stein unten, bis zur Hälfte in der Wiese versunken. Jemand hat es mal versucht ihn zu zerreißen, hat eine tiefe Rille im Rücken eingeschlagen, aber dann hat er sich geschämt und aufgegeben. Wenn man an einem sonnigen Tag auf diesen Riesen raufsteigt, dann hat man nur den Wunsch auf den warmen, grünen Moosteppich sich hinlegen und den Riesenstein befragen. Wie er erzählen kann! Und man muss keine Angst haben ein Schläfchen auf dem Stein zu machen, so kann man ihn besser hören

 

  1. Der dritte ist in der Mitte zwischen den ersten zwei. Wie eine dunkle Pupille mit gelben feuchten Moos und einer Butterblume als eine Wimperkröne rundherum den Abhang schon tausend Jahre fließt die alte Quelle. Das ist das Auge der Erde, das mehr erlebt hat, als die ersten Moosdorfs Zeugen. Wenn man hinhört was die kleine Quelle erzählt, von einem saftig grasigen Abhang herunterfließend, dannt kann man auch erfahren, was der schiefe Baum aus seiner Spitze nicht sah, oder der moosiger Alter nach so vielen Jahren vergessen hat.

 

  1. Schau mal was für eine seltsame Föhre! Eine ganz skurrile Föhre! Das ist ein Geist, keine Föhre! Jeder alter Mensch von dem Moosdorf kennte diese seltsame Föhre, an der der Weg zu der Hexenkneipe abbiege.

    Man errichtete eine Kneipe an der Straßenseite. Als Kneipenwirtin eine Polin, schön wie der Teufel. Arme wie Hopfenranke, Augen wie Kohle, Zopfe dreimal um den Kopf und dann noch die Spitzen bis die Mitte des Rückens, Stimme wie des Pirols. Auch lettische Burschen fingen an dorthin zu gehen, andere Kneipen gab es damals in der Umgebung nicht.
    Es gibt skurrile Dinge mit der Kneipe. Die Kneipenwirtinnen sind jetzt alt und klapprig, und niemand weiss woher sie kommen.

 

  1. Im Morgengrauen ragt der Schwarze Landgut wie eine Scheuche gegen den weiß bereiften Wald. Der lange Turm ragte sich über den Spitzen von Fichten, der kürzeste nur mit einem guten Auge im blauen Tau sichtbar. Über der Mauer leuchteten zwei Feuerchen, wie die Augen eines alten Wolfs.
  2. Ein Erlenjungwuchs war bis zur Hälfte zugeschneit in den Weiden des Schwarzen Landguts. Über dem kann man einen Birken -und -Espenjungwald sehen – ein Zigeuner weiss,t wo man sich am besten vom Wind verstecken kann.
    Landgut – was ist das für ein Landgut? Eine Mördergrube ist es. Herkommt der Gutsverwalter zusammen mit Burschen und trägt einen Bärpelz weg.
  3. Am Abend, wenn die Dämmerung eintraf, begannen sie ihre Fahrt auf einen Wunderhohen Hügel. Steil war er nicht, aber sehr schmal und lang, wie alle lettischen Hügel in den alten Tagen.

    Aber dann sahen sie alle drei in dem gleichen Moment ein helles Fenster hinter der Flanke der Stute. Das Fenster war weit, rein, nicht mal zugefroren, jede Fensterscheibe so groß wie die ganzen Fenster im Moosdorf.

    Die Wände in den Zimmern weiß und glatt, Ofen weiß und glatt, Tragbalken weiß und so hoch, dass man die mit der Hand nicht erreichen kann. Aber am schönsten war doch der Fußboden, dass aus Föhrenholz gemach war, genau so rein wie der Tisch mit der Breischüssell und den Löffel. Da stand ein hrenschrank, dunkelbraun wegen der Alte und Handarbeit wichtig.

  4. Über den Apaļais Ezers (Rundsee) gibt es solche Erzählungen. In alten Tagen gab es dort keinen See, sondern ein leeres Beet. Rundherum Sümpfe und verschiedene Moraste, aber in der Mitte eine Höhlung, ganz rund wie der Boden einer Schüssel, keine Büsche, kein Gras, nur grauer Schlamm, wie Asche – trocken und leicht wie Staub in der Luft. So kam einmal eine größe Dürre, drei Jahre hintereinander. Im ersten Sommer fielen nur 15 Regentropfen, im zweiten Jahr -zehn, im dritten Jahr- keiner mehr. Alles wird gelb und trocken, Eschen verloren ihre Blätter, Fichten standen rot wie verbrannt, Farnen waren wie immer, aber in dem Moment, in dem man sie berührt, fallen sie zum Staub. Und der große Wald brennt überall, in einer Ecke hört es auf und gleich fing es in eine andere an, den ganzen Sommer lang und drei Jahre nacheinander. Rauch so dicht wie Wolken. Die Hölle auf Erden, man kann nicht atmen, Augen tuen weh, Menschen sehen so aus als sie weinen, Augen von Hasen sind immer geöffnet, sie weinen. Die Augen von Hirschen sind nur dann trocknen, wenn sie schlafen, eine Krähe landet auf die Wipfel einer Fichte, aber von dem Schnabel fließen Tränen, eine nach der anderen, eine nach der anderen…

    Verschiedene Kreaturen wohnen am Rundsee. Tiere gehen dorthin niemals, um zu trinken, Vögel fliegen nicht darüber, aber mit einer Biegung.

    Solche Zeiten, solche Zeiten…

    Es gibt das Moosdorf nicht mehr, jetzt geht dort gerade über die Eisenbahn, quer eine Landstraße aus feinem Stein, mit weißen Pfosten an beiden Seiten.